Teil 1: Prolog & Alpen-Auftakt:
Über den Vršič-Pass ins Soča-Tal
Nachdem wir im vergangenen Jahr unsere geplante Radreise kurzfristig absagen mussten, ist es endlich wieder soweit: Die nächste große Tour steht an! Wir sitzen im Zug nach Villach in Kärnten, dem Startpunkt für unsere Rundtour durch vier Länder: Österreich, Slowenien, Kroatien und Italien. Die meiste Zeit haben wir für Slowenien eingeplant – für uns noch absolute Terra incognita. Insgesamt drei Wochen haben wir Zeit – reichlich Spielraum für spontane Badetage.

Da wir erst am späten Abend in Villach ankamen, nutzen wir den ersten Tag für eine gemütliche Warm-Up-Tour um den Ossiacher See.
Auf den 41 Kilometern nehmen wir uns viel Zeit für kleine Pausen am Ufer. Ein Bummel durch die Villacher Altstadt schließt diesen ersten Radtag perfekt ab.


Villach – Kranjska Gora:
Unterwegs auf traumhaften Bahntrassen
Ein Radtag, der nur schwer zu toppen ist – und das gleich zu Beginn! Vom Hotel sind es nur wenige Hundert Meter bis zum Ufer der Drau und dem hervorragend ausgebauten Uferradweg.

Schon bald erreichen wir den Zufluss Gail. Wir folgen ihm auf dem berühmten Alpe-Adria-Radweg. Am Wochenende ist hier ordentlich was los: Neben tourenbereiten Radreisenden sind auch viele Rennradfahrer unterwegs.


Nach gut 30 Kilometern überqueren wir die Grenze nach Italien. Und wie als Willkommensgruß folgt exakt mit dem Grenzübertritt eine der schönsten Etappen, die wir je gefahren sind: Auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse geht es auf perfektem Asphalt, völlig fernab des Autoverkehrs, durch tiefgrüne Wälder mit Blick auf die umliegenden Bergriesen.


Kurz vor Tarvisio biegen wir links Richtung Slowenien ab. Auch hier gilt: Perfekte Bahntrassenroute, absolute Ruhe und wunderschöne Ausblicke auf die Julischen Alpen.
Das bleibt so, bis wir kurz nach der slowenischen Grenze den trubeligen Skiort Kranjska Gora erreichen – unseren Ausgangspunkt für die morgige Bergetappe.



Kranjska Gora – Bovec:
Pannen-Schlacht am Vršič-Pass und smaragdgrünes Soča-Tal.
Es hätte ein fantastischer Tag werden können. Aber wenn einmal der Wurm drin ist… doch der Reihe nach.
Morgens liegt eine spürbare Vorfreude in der Luft. Schließlich steht die Überquerung des Vršič auf dem Programm – dem höchsten Pass Sloweniens mittendrin im Triglav-Nationalpark. Nach wenigen Kilometern passieren wir den malerischen Jasna-See für einen obligatorischen Fotostopp. Danach geht es direkt ans Eingemachte: Das Schild mit 14 % Steigung zeigt, was die nächsten 12 Kilometer bereithalten. 24 Kehren gilt es zu meistern, im Kurvenbereich grob gepflastert. Das bremst zumindest die Motorräder etwas ein.
Mitten im steilsten Stück spüre ich plötzlich das vertraute, ungute Wippen am Hinterrad: Platten! Mangels Platz drücke ich mich an die Felswand und pumpe erst einmal auf. Kerstin ist auf ihrem E-Bike bereits vorgefahren. Kein Handyempfang – also fahre und pumpe ich mich keuchend Kehre um Kehre hoch, bis ich sie bei Kehre 17 endlich treffe. Gemeinsam schaffen wir es auf die Passhöhe und werden mit einer grandiosen Aussicht belohnt.




Die Abfahrt ins Soča-Tal belohnt uns mit fantastischen Ausblicken. Es sind mittlerweile deutlich über 30° und so nehmen wir die Möglichkeit, ein wenig in der Soca zu planschen gerne an. Ein Stopp am smaragdgrünen Fluss bringt kurze Abkühlung.



Als wir von unserer Erfrischung zurückkommen, ist der Reifen komplett platt. Es folgt ein kleines Werkstatt-Drama: Ersatzschlauch zu groß eingepackt, Vulkanisierkleber im Flickzeug ausgetrocknet! Mit dem falschen Schlauch und einem dicken Eierrad rette ich mich langsam nach Bovec.

Ein geöffneter Radladen rettet den Tag, auch wenn am Ende sogar noch der beschädigte Mantel getauscht werden muss. Morgen kann es hoffentlich pannensicher weitergehen!



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